DE EN


Peter und Luise Hager-Preis in Zusammenarbeit mit der HBKsaar 

Die Zusammenarbeit mit der HBK in Saarbrücken geht im Wintersemester 2019/2020 mit dem Thema "Glaube" bereits in die neunte Runde (weitere Informationen).

2012 wurde der Preis erstmals ausgelobt. Von der Kreativität der Studenten und dem Kooperationswillen der Professoren beeindruckt, dürfen wir jährlich mehrere Studenten in ihrem Schaffen unterstützen. Es ist deutlich erkennbar, dass die ausgelobten Preise die künstlerische Entwicklung der Studierenden nachhaltig verbessern. Doch nicht nur die Sieger profitieren von dem Engagement der Stiftung. Alle Teilnehmer, einschließlich des Lehrkörpers, stellen sich Jahr für Jahr einer kreativen Herausforderung, die auch zum Renommee des Studien-Standortes Saarbrücken beiträgt.

Die Entscheidung über die Vergabe des Peter und Luise Hager-Preises erfolgt durch eine Jury, die sich aus drei Vertreter/inne/n der Peter und Luise Hager Stiftung, drei Vertreter/inne/n der HBKsaar sowie zwei externen Expert/inne/en zusammensetzt. Die Jurierung erfolgt in zwei Phasen. Im Dezember 2018 wird die Jury die eingegangenen Arbeiten sichten und bewerten. Zum Ende des Wintersemesters 2019/2020 werden die zehn besten Arbeiten im Rahmen des Rundgangs in der Galerie der HBKsaar gezeigt. Die Preisverleihung findet statt anlässlich der Eröffnung der Ausstellung im Kontext der Rundgangeröffnung am 31. Januar 2020.

Die aktuelle Ausschreibung finden Sie hier.  


Rückblick: Peter und Luise Hager-Preis 2018/2019

Am 1. Februar 2019 fand die Verleihung des Peter und Luise Hager-Preises 2019 an der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBKsaar) in Saarbrücken statt. Die Peter und Luise Hager-Stiftung und die Hochschule der Bildenden Künste Saar zeichnen zum achten Mal studentische Arbeiten und Positionen aus, die künstlerisch und gestalterisch hochwertig die sinnliche Erfahrbarkeit und Vermittlung von technischen, sozialen sowie kulturellen Prozessen thematisieren.

Aufgabenstellung der aktuellen Wettbewerbsausschreibung war die künstlerische und gestalterische Auseinandersetzung mit dem Thema „Widerstand“. Die Medien, mit denen das Thema dargestellt oder behandelt werden konnte, waren dabei für die Studierenden frei wählbar. Entsprechend vielfältig waren die eingereichten 38 Wettbewerbsbeiträge von insgesamt 62 Studierenden, sowohl hinsichtlich der formalen Gestaltung als auch der ausgewählten Medien.

Aus allen Einreichungen wählte eine Jury elf Positionen aus, die zum Rundgang 2019 im Rahmen einer Ausstellung in der Galerie der HBKsaar zu sehen sind. Aus diesen Ausstellungsteilnehmern ermittelt die Jury drei Preisträger, die zur Ausstellungseröffnung am 1. Februar 2019 bekannt gegeben wurden.

Der Jury gehören seitens der Peter und Luise Hager-Stiftung Frau Susanne Trockle als Vorstandmitglied der Stiftung und Frau Gabriela Gross als Mitglied des Stiftungsrates an. Für die HBKsaar sind Prof. Mark Braun, Prof. Ivica Maksimovic, Prof. Andreas Oldörp und Prof. Dr. Matthias Winzen in der Jury vertreten. Weitere Jury-Mitglieder sind der kunst- und kulturwissenschaftliche Vorstand der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, Dr. Roland Mönig, sowie als Mitarbeiterin der Saarländischen Galerie, Berlin, Dr. Andrea Weber.

Die Preise wurden durch Frau Susanne Trockle und Frau Gabriela Gross verliehen und sind wie folgt dotiert:

  1. Preis: 5.000 Euro – Shakti Paqué
  2. Preis: 3.000 Euro – Esther Ramsbrock
  3. Preis: 2.000 Euro - Joanna-Melissa Crittendon

 

1. Preis: Shakti Paqué „LEKTION 8 (für Fortgeschrittene)“

Shakti Paqué gelingt es, das psychische und mimische-körperliche Erleben von Widerstand in die von ihr gefilmten Personen hinein zu verlegen. Ihre Ateliergäste sollten „Nein“ sagen und erfuhren erst kurz vor der Videoaufnahme, dass sie dabei nicken sollten. Während wir diese 41 Personen dabei beobachten, wie sie „Nein“ sagen und zugleich „ja“ nicken, überträgt sich deren innerer Widerstand in uns hinein. Manche der Gefilmten schaffen diese scheinbar einfache schauspielerische Übung nicht perfekt. Beim „Nein“-Sagen schütteln sie noch schnell den Kopf, anstatt wie verlangt zu nicken. Kindern gelingt der Gegensatz von Sprechen und gestischem Zeigen am schlechtesten. Sind die Erwachsenen mit mehr Lebenserfahrung die besseren Lügner? Wie sehr ist noch das scheinbar ehrlichste „Ja“ oder „Nein“ immer auch ein schauspielerischer Auftritt, eine Inszenierung von klarer Meinung, bei der man sich auch versprechen und verstolpern kann?

Shakti Paqués filmisch-performatives Nachdenken über die seelische Basis allen Widerstandes in jedem von uns kann als sehr gelungene künstlerische Grundlagenforschung verstanden werden.

 

2. Preis: Esther Ramsbrock „Die Möglichkeit auf der Seite gegenüber. Die Weiße Fahne“

Ein Mensch und eine Fahne: Die scheinbar einfache Zeichnung von Esther Ramsbrock signalisiert Widerstand gegen eine permanente Überforderung - nämlich gegen den Dauerstress, gegen was alles jeder halbwegs interessierte und informierte junge Erwachsene Widerstand leisten muss. Wer will in einer Welt leben, in der Kinder sexualisierter Gewalt zum Opfer fallen? Und haben nicht die vielen Unzufriedenen und Abgehängten, die in gelben Westen oder als Protestwähler den Totalausstieg proben, irgendwie recht? - Vor lauter massenmedialen Gründen und Vorwänden, über was man sich alles aufregen muss, kann es passieren, dass der eigene Standpunkt, die eigene Produktivität, die eigene konstruktive Kraft verwirrt werden und man permanent zu moralischem Empörtsein genötigt wird. Esther Ramsbrock probiert etwas Neues, einen entscheidenden Schritt weiter: nicht nur reagieren, sondern eine eigene, andere Sichtweise postulieren. Wie ein Fanal zeigt ihre Zeichnung eine Grundsituation: einen Menschen und eine weiße Fahne, das Zeichen für Aufgeben, aber auch Zeichen für Abrüsten. Die Fahne ist nicht triumphal nach oben gereckt, sondern sie erscheint regelrecht nachdenklich. Das Bild verkörpert Fragen, es ist auf eine starke und überzeugende Weise offen. Esther Ramsbrock scheint uns einen Perspektivwechsel vorzuschlagen: sich von den verworrenen Umständen nicht verwirren zu lassen, sondern offen zu bleiben und immer wieder Fragen zu stellen.

 

3. Preis: Joanna-Melissa Crittendon „Impurity Washing“

Die Installation von Joanna-Melissa Crittendon zeigt ein Waschbecken, ein Handtuch und Seifenstücke, also eine Einladung – oder je nachdem – eine Aufforderung, sich zu waschen. Wer aufgefordert wird, sich zu waschen, ist offenbar schmutzig. Das Waschtisch-Arrangement, das uns in einem Hotelzimmer normal erscheinen könnte, irritiert uns in einem öffentlichen Ausstellungsraum. Der Anblick wirkt steril und kalt, die Seifenstücke allerdings sehen nicht klinisch sauber, sondern organisch unregelmäßig aus. Wie alle Seife ist auch diese aus organischen Abfällen hergestellt, allerdings teilt Joanna-Melissa Crittendon mit, dass „deren Inhaltsstoffe meine eigenen Haar- und Hautablagerungen sowie Schweiß und Körperfett beinhalten sowie die üblichen Stoffe, aus denen Kernseife gemacht wird“. Die Wirkung des Ganzen ist ambivalent zwischen Vertrautheit und Sterilität, zwischen Sauberkeit und leisem Ekel. Im Kern leistet die Installation von Joanna-Melissa Crittendon Widerstand dagegen, dass das Weibliche in den Massenmedien heute immer noch einseitig sexualisiert wird, um dann als angeblich Schmutziges eine erhöhte Reinlichkeit für Frauen notwendig zu machen.

 

Alle an der Ausstellung beteiligten Studierenden, die nicht zu den Preisträgern zählen, erhalten eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 500 Euro: Catherine Duboutay, Julia Gerhards, Felix Gropper & Bernd Rosinski, Eric Heit, Anja Khersonska, Darja Linder, Radion Rabovski & Sebastian Schuhster und Anica Seidel.

 


Unser Projektpartner

 

Diese Seite verwendet Cookies.

Um die Webseite optimal zu gestalten, fortlaufend zu verbessern und das bestmögliche Web-Erlebnis bieten zu können, werden auf dieser Website Cookies verwendet. Mit der weiteren Verwendung dieser Website stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. In den Einstellungen Ihres Browsers können Sie Cookies kontrollieren, deaktivieren oder löschen. Mehr über unsere Cookie-Richtlinien erfahren Sie hier.